17. November 2011 - „Wenige Cent pro Kilogramm“
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17. November 2011 - „Wenige Cent pro Kilogramm“

INTERVIEW: Dr. Heide Weitkamp über Geschäfte des DRK mit Gebrauchtkleidung Lübbecke. Verkauft das Deutsche Rote Kreuz einen Großteil der Kleiderspenden nach Afrika und zerstört dort die lokale Textilindustrie? Über die wiederholt öffentlich in die Kritik geratene Praxis des DRK sprach NW-Redakteur Frank Hartmann mit der Vorsitzenden des Ortsvereins Lübbecke, Dr. Heide Weitkamp, zuständig auch für die DRK-Kleiderkammer.

Dr. H. Weitkamp in der Kleiderkammer

Gutgefüllt: Mit Hilfe einer Trittleiter verschafft Dr. Heide Weitkamp sich einen Überblick über die gut gefüllten Regale und Ständer in der Lübbecker Kleiderkammer des DRK. Nur gut erhaltene Textilien werden an Bedürftige abgegeben.

Wie viele Altkleider-Container des DRK stehen in Lübbecke?
HEIDE WEITKAMP: Es müssten etwa zehn sein. Sie werden zwei Mal wöchentlich von ehrenamtlichen Helfern des DRK entleert. Es wird bei uns ja viel Kleidung gekauft und schnell wieder aussortiert. Leider ist aber auch viel Unbrauchbares unter den Kleidungsspenden. Kaputte, verdreckte Kleidung, sogar Teppichreste und Farbeimer. Deshalb bitten wir Spender gut erhaltener Kleidung, diese mittwochnachmittags am besten direkt in der Kleiderkammer an der Osnabrücker Straße vorbeizubringen.

Der NDR und die „Zeit“ berichteten kürzlich über das Geschäft mit Kleiderspenden. Ausdrücklich ging es dabei auch um das Deutsche Rote Kreuz. Stimmt es, dass große Teile der hiesigen Kleiderspenden in Afrika landen?
WEITKAMP: Es stimmt, dass die Ehrenamtlichen, die die Container leeren, eine Vorauswahl treffen. Gute Sachen erhält die Kleiderkammer, auch Schuhe und Bettwäsche, der Rest wird in einen großen Sammelcontainer entsorgt.

Wie gut muss die Kleidung erhalten sein, damit Ihre Kleiderkammer in Lübbecke sie aufnimmt?
WEITKAMP: Sie muss sauber sein, Knöpfe und Reißverschlüsse müssen in Ordnung sein, so hoch sind unsere Ansprüche in Deutschland. Was diesen Anspruch nicht erfüllt, wird aussortiert für den großen Container. Selbst einen Pelzmantel mit abgerissenem Arm kann ich hier niemandem andrehen.

Und was passiert mit den aussortierten Kleidungsstücken?
WEITKAMP: Den Container holt regelmäßig Dohmann ab, ein Textilverwerter aus Dortmund. Dohmann zählt sich zu den führenden Unternehmen der Altkleiderbranche und wirbt auf seiner Internetseite mit einem Foto, das einen Altkleider-Container des DRK zeigt.

Erhält auch der DRK Ortsverein Lübbecke Geld für die gebrauchte Kleidung?
WEITKAMP: Ja, aber es sind nur wenige Cent pro Kilogramm.

Wofür verwendet das DRK diese Einnahmen?
WEITKAMP: Die kommen in den großen DRK-Geldtopf. Damit finanzieren wir die Ehrenamtlichkeit und satzungsgemäße soziale Aufgaben.

Zum Beispiel?
WEITKAMP: Es sind ja zum Beispiel Fahrzeuge im Einsatz, die finanziert werden müssen, etwa im Blutspendedienst. Und für ihre Tätigkeit bekommen die Ehrenamtlichen zwar nichts, aber Fahrtkosten werden ihnen erstattet. 

Wie stehen Sie zu dem Vorwurf, 
Altkleider-Exporte nach Afrika würden die dortige  Textilwirtschaft zerstören?
WEITKAMP: Das sehe ich anders. Durch diese Exporte ist dort eine neue Industrie entstanden, auch Arbeitsplätze. Außerdem ist die gebrauchte Kleidung dort erschwinglich, gerade auch für Ärmere.

Müssen die Kunden der DRK Kleiderkammer in Lübbecke, die aus dem ganzen Kreis Minden-Lübbecke und darüber hinaus kommen, ihre Bedürftigkeit nachweisen?
WEITKAMP: In anderen Kreisverbänden ja, hier aber noch nicht. Hier müssen sie auch nichts bezahlen. Allerdings kann jemand nicht jeden Monat kommen, sondern nur alle drei Monate.

Wie viel Kleidungsstücke pro Jahr gibt die Kleiderkammer Lübbecke ungefähr ab?
WEITKAMP: 2008 haben wir 38.800 Stücke an 1.480 Personen abgegeben, vom Taschentuch bis zum Pelzmantel. Im vergangenen Jahr waren es 32.000 Stücke an rund 1.400 Personen. Solche Schwankungen sind normal. Darüber führe ich genau Buch.

Wird das Deutsche Rote Kreuz seinen Umgang mit Altkleidern künftig transparenter für die Spender gestalten?
WEITKAMP: Der DRK-Bundesverband hat einen Leitfaden für seine Mitgliedsverbände angekündigt. Der liegt uns aber noch nicht vor.

17. November 2011 10:00 Uhr. Alter: 185 Tage